Steckbrief Brasilien
- Flächenmäßig das fünftgrößte Land der Erde
- 214 Millionen Einwohner
- Hauptstadt: Brasilia
- Gesprochene Sprache: Portugiesisch
- Währung: Brasilianischer Real
- Entfernung zu Deutschland: 9.800 km (São Paulo), 10.330 km (Pantanal)
- Persönliche Ziele: sich mit Händen und Füßen verständlich machen, das Pantanal erkunden, Feijoada essen, Wasserfälle sehen
Brasilien
Von Guten Tag über Goededag zu Bom Dia...
... könnte man sagen. Es geht wieder los, wir sind international unterwegs. :-) Unsere Anreise nach Amsterdam und auch São Paulo verlief absolut reibungslos. Nachdem wir uns am Wochenende noch einmal von der Familie und engsten Freunden verabschiedet hatten, ging es für uns am Montagmorgen zunächst per Bus zum Bahnhof Rheda, um von dort aus den Zug nach Münster zu nehmen. In Münster dann hatten wir einen einstündigen Aufenthalt, welchen wir für ein Kaffeetrinken mit Svea und Peter genutzt haben (danke nochmal, dass Ihr Eure Mittagspausen für uns geopfert habt und extra zum Bahnhof gekommen seid). Per IC, übrigens pünktlich (!), fuhren wir dann Richtung Amsterdam Schiphol, wo wir eine Vorübernachtung gebucht hatten. Dies war rückblickend betrachtet eine sehr gute Sache. Unser Flieger ging zwar erst um 10:35 Uhr morgens, da das Chaos am Amsterdamer Flughafen aber mindestens ebenso schlimm angekündigt war wie zurzeit an deutschen Flughäfen, wurde uns geraten, vier Stunden vorher am Flughafen zu sein.
Gesagt, getan: Unser Wecker klingelte gestern um fünf Uhr morgens, um um sechs Uhr den Hotelshuttle zum Flughafen zu nehmen. Dort angekommen sah von außen alles noch recht normal aus, allerdings hatte der Fahrer unseres Busses uns beim Aussteigen viel Geduld gewünscht, spätestens beim Check-In dämmerte uns dann, was er meinte. Die Schlangen bei der Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrolle erschienen endlos! Die Niederländer sind wohl aber, wie zum Beispiel Engländer auch, das Anstehen in Reih und Glied geübt, es ging trotz der Menschenmassen alles sehr geordnet zu und gemurrt wurde auch nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das stellenweise in Deutschland anders abläuft. In Summe haben wir zweieinhalb Stunden für die gesamte Prozedur der Gepäckaufgabe sowie Sicherheits- und Passkontrolle gebraucht, wir hatten also immer noch ausreichend Zeit für einen Kaffee und einen Joghurt zum Frühstück.
Der 12-Stunden-Flug über den Atlantik ging ohne Turbulenzen mit viel Essen und Trinken vonstatten. KLM meint es wirklich gut mit den Passagieren, gefühlt werden einem alle zwei Stunden Snacks und Getränke gereicht. Ich vermute mal, es soll einem nicht langweilig werden, Hunger hat man in der Frequenz zumindest auf keinen Fall. In São Paulo angekommen, haben wir uns dann ein Taxi zum Hostel genommen, das geht recht einfach, indem man zu einem offiziellen Ticketstand läuft, angibt, wohin man gebracht werden will, vorab bezahlt und dann in das einem zugewiesene Taxi steigt. Speziell Jens, der noch nicht in São Paulo war, hat während der 40-minütigen Fahrt in die Stadt einen ersten Eindruck von der riesigen Metropole gewinnen können. Gebucht haben wir ein kleines Doppelzimmer mit eigenem Bad in einem Hostel, das recht zentral an der bekannten Avenida Paulista liegt. Die Gegend kenne ich schon von einem früheren Aufenthalt und sie ist, wie erwartet bzw. in meiner Erinnerung, sehr grün und vor allem sicher.
Heute Morgen sind wir als erstes zu Fuß zu einem Café gelaufen, wo wir dann das erste Mal unsere Portugiesischkenntnisse einem Praxistest unterziehen konnten. Und, was soll ich sagen, es hat geklappt. :-) Babbel sei Dank konnte ich Jens erklären, was auf der Karte stand und auch auf Portugiesisch bestellen und die Rechnung ordern war kein Problem. Da haben sich die vielen Stunden Vorbereitung zumindest schon gelohnt. Für zwei Kaffee sowie Joghurt mit Früchten und Granola haben wir dann insgesamt 14 Euro bezahlt, recht erschwinglich also.
Für morgen haben wir eine private vierstündige Stadtführung mit einem englischsprachigen Führer gebucht, danach haben wir sicher mehr zu erzählen und auch Fotos parat. Wir melden uns, bleibt gesund und munter!
(veröffentlicht am 27.07.2022)
Da es heute schüttet...
... (ja, auch wir haben manchmal schlechtes Wetter), bietet es sich an, einen neuen Bericht für Euch zu schreiben. Gestern schien erfreulicherweise noch die Sonne, was insofern sehr gut war, als dass wir ja eine geführte Tour gebucht hatten. Bei der Buchung über die Agentur konnten wir bereits angeben, welche Orte in São Paulo wir gern besuchen würden bzw. welche Interessen wir grundsätzlich haben. Für uns war klar, dass wir nicht in die historische Altstadt wollen, da sie zu unsicher ist (was unsere Führerin übrigens bestätigt hat, später dazu mehr), sondern dass wir uns eher die Szeneviertel und den Ibirapuera Park ansehen wollen. Entsprechend unseren Wünschen hat die Agentur uns dann Dóris als Führerin geschickt und, was sollen wir sagen, sie war super!
Pünktlich um 10:30 Uhr wurden wir von ihr mit ihrem privaten Wagen abgeholt. Zunächst sind wir ein wenig in unserem Viertel umhergefahren, weil Dóris uns noch Restaurants und Cafés in Reichweite zeigen wollte, die sie empfehlen kann. Danach vergrößerten wir den Radius und sind durch den Stadtteil Jardins, übersetzt Garten, gefahren. Dort standen riesige Villen auf parkähnlichen Grundstücken, von der Architektur her waren diese spanisch / amerikanisch. Wir fühlten uns ein bisschen an Nobelviertel in Amerika erinnert. Mit São Paulo verbindet man als Europäer sicherlich vorrangig, dass es sich um eine große, sehr unsichere Stadt handelt. Aber São Paulo ist so viel mehr! 1554 von Jesuitenpriestern gegründet, hat sich die Metropole durch das sogenannte Grüne Gold, den Kaffee, über die Jahrhunderte mit zur mittlerweile mit 12 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt der südlichen Hemisphäre entwickelt, macht 11% des BIP des gesamten Landes aus und hat die fünftgrößte Börse der Welt. Zudem ist São Paulo multikulturell, von Sushi über Pizza bis hin zu libanesischem Essen kann man hier alles bekommen, was das Herz begehrt. Dóris ist zumindest sehr stolz auf ihre Stadt und unserer Meinung nach zu Recht.
Den Ibirapuera Park haben wir uns dann zu Fuß angesehen, allerdings haben wir aus Zeitmangel nur einen Teil der zwei Quadratkilometer bewältigt. 2017 wurde der Park von der britischen Zeitschrift "The Guardian" zum besten Park der Welt gekürt, wir können uns vorstellen, warum. Mit Joggingstrecken, Spielplätzen, Kunstmuseen und einem See bietet er den Paulistanos, wie sich die Einwohner hier nennen, eine grüne Oase inmitten der Stadt. Vom Dach des Museums für zeitgenössische Kunst der Universität São Paulo aus hatten wir dann einen fantastischen Blick auf den Park und die Skyline der Stadt. Bei einem Kaffee, der in Südamerika übrigens immer sehr gut und stark ist, und Pão de queijo, Käsebällchen, die von den Brasilianern zu jeder Tages- und Nachtzeit gegessen werden, haben wir ein wenig mehr von Dóris erfahren. Zum Beispiel, dass sie in den Neunzigern drei Monate auf Backpacking-Tour in Europa war, anderthalb Jahre in Amerika gelebt hat und brasilianische Schokolade liebt. Nach der Stärkung ging es zu einem kurzen Zwischenstopp in die Kirche "Paróquia Nossa Senhora do Brasil" und dann ins Künstlerviertel Vila Madalena. Bei den Touristen sehr beliebt ist die "Batman's Alley", ein Straßenzug voller Graffitis. Das erste Graffiti war in den Achtzigern eine Darstellung eines Batman, damals war das Sprayen von öffentlichen Gebäuden noch verboten. Nach und nach kamen dann weitere Graffitis dazu und das Viertel entwickelte sich zu einem beliebten Ziel für Touristen. Bars, Cafés und Restaurants eröffneten, das Sprayen wurde erlaubt und die Künstler entscheiden für sich, wann es mal wieder Zeit für ein neuen Graffiti wird.
Dóris hat die viereinhalb Stunden durchgeredet, sie meinte, ihr Mann würde ihr immer wieder sagen, dass sie ihren Kunden auch mal den Freiraum für Fragen lassen soll, allerdings fällt ihr dies schwer. Sie vergisst selbst bei zehnstündigen Touren das Essen und wenn ihre Gäste sie nicht darum bitten, ist es wohl auch schon mal vorgekommen, dass ihr am Ende des Tages auffällt, dass sie die Tour ohne Pause bestritten hat - wir glauben ihr dies aufs Wort! Als sie uns dann nachmittags wieder am Hostel abgesetzt hat, meinte sie noch, dass sie die Tour angenommen hat, weil wir uns die sicheren Gegenden gewünscht haben. Hätten wir gesagt, dass wir in die Altstadt wollen, hätte sie die Tour abgesagt oder nur aus dem Auto heraus veranstaltet. Durch die Pandemie ist die Anzahl der Armen wohl durch die Decke gegangen und die eh schon sehr von Obdachlosen und Junkies frequentierte Altstadt hat noch einmal eine Entwicklung zum Schlechten erlebt. Wir können uns in Deutschland auf jeden Fall sehr glücklich schätzen, finanziell so gut durch die Pandemie gekommen zu sein, das sieht in anderen Ländern ganz anders aus und die Folgen sind jetzt erst spürbar. A propos Finanzen: Die private Tour hat uns in Summe 150 Euro gekostet, aus unserer Sicht war sie jeden Cent wert!
Morgen fliegen wir ins Pantanal, wir sind schon sehr gespannt, was uns dort alles erwartet. In der Hoffnung, dass wir dort auch Internet haben, werden wir natürlich berichten! Bleibt gesund, até logo!
(veröffentlicht am 29.07.2022)
Wir lieben...
... das Pantanal! Unser erster Tag hier verging wie im Fluge und wir haben jede Sekunde genossen. Aber der Reihe nach. Gestern ging es von São Paulo nach Campo Grande. Wir waren beeindruckt, wie gut organisiert alles bei LATAM vonstatten ging (man hat ja als Europäer manchmal etwas Vorurteile südamerikanischen Fluggesellschaften gegenüber). Eine halbe Stunde vor Abflug saßen alle Passagiere schon vollzählig im Flieger und Jens hat noch gelobt, wie zügig die Prozedur erfolgt ist. Aber zu früh gefreut. Kurz vor unserer eigentlichen Abflugzeit kam eine Durchsage auf Portugiesisch, die unsere Nachbarin netterweise für uns auf Englisch übersetzte, dass wir den Flieger wechseln müssen. Da kein Raunen durch die Reihen ging und auch unsere Nachbarin erzählte, dass ihr das schon drei Mal passiert sei, schien das wohl durchaus üblich zu sein. Wir waren auf jeden Fall auf das Schlimmste vorbereitet und dachten, dass wir sicherlich mit mindestens zwei Stunden Verspätung rechnen müssen. Aber, siehe da, eine halbe Stunde später ging es für uns alle aus dem ersten Flieger in den Bus, dann fuhren wir sage und schreibe drei Meter und stiegen direkt hinter unserer Maschine aus, um nebenan in den Ersatzflieger zu steigen. Mit nur einer Stunde Verspätung hoben wir ab, in Summe also alles vertretbar, und vom Sicherheitsaspekt her ist es uns natürlich lieber, einmal mehr den Flieger zu wechseln.
In Campo Grande im Staat Mato Grosso do Sul angekommen, wurden wir von unserem englischsprachigen Führer abgeholt. Rodrigo wird uns nun die kommenden fünf Tage auf Schritt und Tritt begleiten. Zur Pousada (also zu der Ranch, auf der wir untergebracht sind), fuhren wir gut drei Stunden, davon zwei auf asphaltierten Straßen und die letzten 45 Kilometer dann auf Schotter. Wir sind also in der Tat gaaaanz weit draußen. Auf der Pousada gab es ein Barbecue und nicht nur mit gutem Fleisch direkt von der Ranch, sondern auch mit Gemüse, Reis, Bohnen und Salat. Zum brasilianischen Essen an sich schreiben wir aber sicherlich noch einmal einen gesonderten Eintrag, bleibt gespannt.
Der Tag heute hatte es schon in sich, es standen zwei Ausflüge auf dem Programm. Unser Wecker klingelte um halb sechs, da es ab viertel nach sechs Frühstück gab und der erste Ausflug um halb acht begann. Wir kennen das ja schon von Galápagos, auch hier waren wir ja aufgrund der hohen Temperaturen tagsüber immer sehr früh unterwegs. Die erste Tour führte uns zu Fuß zu einer Lagune, wo wir zunächst unter Beobachtung von Kaimanen Piranhas gefischt haben (wir müssen zugeben, eher weniger erfolgreich, ich hatte zwar kurz einen Piranha an der Angel, aber dann entwischte er mir wieder). Danach ging es per Kajak aufs ruhige Wasser, am Ufer haben wir weitere Kaimane, Falken und Tukane beobachten können. A propos Vögel, diese gibt es auf der Pousada natürlich zur Genüge. Von Sittichen über Aras bis hin zu Kardinalen war alles dabei, wir sind mega happy! Nachmittags stand, zumindest für mich, ein Highlight auf dem Programm. Unser erster Ausritt zu Pferd! An sich wollten wir das ja auf Galápagos schon gemacht haben, aber es hat sich nicht ergeben. Umso schöner, dass es nun geklappt hat. In einer kleinen Gruppe mit zwei weiteren Gästen (plus Rodrigo natürlich) ging es zwei Stunden über das 5.000 Hektar große Gebiet der Ranch. Jens' Pferd war dabei etwas genügsamer als meins (O-Ton Jens: "Es hört besser auf mich als Du"), meine Stute Medalha dagegen hielt bei jeder sich bietenden Gelegenheit an, um etwas zu fressen. Wenn ich ihr per Zügel zu verstehen gegeben habe, dass sie weiterlaufen soll, fand sie das gar nicht gut und ist drei Mal in den Trab gegangen. Für einen blutigen Anfänger wie mich war das ganz schön schnell und eine Herausforderung, aber wir haben es in Summe sehr gut gemeistert. Ich bleibe dabei, nächstes Jahr nehme ich Reitunterricht (sogar Jens hat es mehr Spaß gemacht, als er gedacht hatte, vielleicht ergibt sich da ja ein weiteres, gemeinsames Hobby).
Morgen geht es etwas ruhiger zu, wir werden morgens eine Wanderung machen und nachmittags eine Bootstour. Da auf der Pousada aber unter anderem auch ein Pool und eine Beachvolleyball-Anlage zur Verfügung stehen, werden wir sicherlich noch die ein oder andere Sporteinheit betreiben können. Wir halten Euch auf dem Laufenden. Bleibt gesund!
(veröffentlicht am 31.07.2022)
Die letzten anderthalb Tage...
... haben wir zu Fuß, per Pferd, auf dem Wasser und mit der Kutsche das 5.000 Hektar große Areal der Ranch erkundet. Ökotourismus betreibt man hier seit 32 Jahren, die ersten Touristen, die hier übernachtet haben, waren Schweizer. Im Laufe der Jahre wurden immer wieder kleine Häuser dazugebaut, mittlerweile gibt es hier 15 Zimmer. Wir finden, dass dies eine sehr passende Größe ist, da man nicht auf allzu viele andere Touristen trifft und dementsprechend auch die Ausflüge in kleinen Gruppen durchgeführt werden. Im Übrigen ist die nächste Pousada (also Ranch) zehn Kilometer entfernt, die Chance, auf andere Menschen zu treffen, ist also eher gering.
Auf dem Gebiet unserer Pousada Aguapé arbeiten 22 Personen, die aufgrund der eher weiten Entfernung zur Zivilisation auch hier wohnen. Es gibt insgesamt 50 Kilometer (!) Zaun und eine kleine Gruppe von Angestellten ist mit nichts anderem beschäftigt, als diesen instand zu halten. Wem die Anreise per Auto zu beschwerlich ist, der kann auch mit der Cessna kommen, die Ranch verfügt über eine kleine Landebahn. Zuzüglich zu den Tieren des Pantanals gibt es hier auch genügend Tiere, die zur Pousada gehören, unter anderem 70 Pferde, 5.000 Kühe, Hausschweine und Schafe. Speziell letztere bewegen sich ziemlich frei auf dem Gelände, da kann es auch schon mal vorkommen, dass man am Pool liegt und das Mutterschaf mit seinem Nachwuchs vorbeikommt, einen kurz beschnuppert und dann weiter zieht.
Die Tage laufen immer sehr ähnlich ab, morgens gibt es um 06:30 Uhr Frühstück und dann geht es zum ersten Ausflug (bevor es für alles weitere zu heiß wird). Aktuell sind sehr viele Niederländer und Franzosen hier, Brasilianer verirrten sich bislang eher selten ins Pantanal, zum einen, weil es eine recht gehobene und teure Destination ist, zum anderen, weil Brasilianer das Meer lieben und Urlaub am Strand bevorzugen. Durch eine im Pantanal gedrehte Telenovela allerdings hat die Region ein wenig an Bekanntheit in Brasilien gewonnen und es kommen nun, zumindest vereinzelt, auch Brasilianer hier hin. Was wir übrigens sehr gut finden und so nicht erwartet haben, ist, dass die Gäste hier alle sehr leger gekleidet sind. Unsere Befürchtung war, dass wir abends immer mit Amerikanern in Hemd und kleinem Schwarzen zusammensitzen und wir als Backpacker entsprechend underdressed sind. Dem ist aber schönerweise nicht so, hier tragen alle ausschließlich zweckmäßige Kleidung. Aber ich schweife ab, daher zurück zum Tagesablauf: Die Ausflüge dauern immer circa zwei Stunden, so dass man um zehn Uhr meistens wieder auf der Ranch ist. Punkt 12 gibt es dann Mittagessen und ab 15 Uhr die nächsten Ausflüge. Das Abendessen wird immer um 19 Uhr serviert, übrigens werden alle Mahlzeiten in Buffetform gereicht. Ich sehe schon die Kilos auf unseren Hüften, da das Essen wirklich sehr lecker ist, bleibt es meist nicht bei einem Teller...
Zum Essen, zur Tierwelt und zu den Ausflügen, an denen wir bislang teilgenommen haben, werden wir Euch auf jeden Fall noch mit separaten Berichten versorgen, bleibt gespannt!
(veröffentlicht am 02.08.2022)
Die Tierwelt hier...
... ist ganz anders als zum Beispiel auf den Galápagos-Inseln, aber natürlich nicht weniger schön. Wir haben versucht, aufzuschreiben, welche Tiere wir bereits gesehen haben, damit wir Euch davon berichten können, allerdings mussten wir feststellen, dass wir bei Weitem nicht alle auflisten können, geschweige denn sie vor die Linse bekommen haben. Daher beschränken wir uns in diesem Bericht auf einen Bruchteil.
Das Symbol des Pantanal, dem größten Feuchtgebiet der Welt, ist der Tuiuiu (im Bild oben rechts zu sehen). Es handelt sich dabei um einen Storchenvogel, der mit bis zu 1,50 Meter Höhe und einer Spannweite von bis zu 2,60 Meter zu den größten seiner Gattung zählt. Ihn in Echt zu sehen, war auf jeden Fall sehr beeindruckend. Toll sind natürlich auch die vielen Hyazinth- und Gelbbrustaras, die hier auf der Ranch umherfliegen. Zu unserem heimlichen Favoriten hat sich der Tukan entwickelt, aus der Nähe erkennt man erst, wie unheimlich glatt und glänzend das Gefieder und wie leuchtend der Schnabel ist. Der Chaco Chachalaca ist der Wächter hier im Pantanal. Bei dem Vogel, der eher am Boden als in der Luft zu finden ist, handelt es sich um einen sehr lautstarken Vertreter seiner Art, auf der einen Seite weckt er bereits um fünf Uhr morgens seine Verwandten (und in dem Zuge auch Menschen), auf der anderen Seite hält er immer nach Fressfeinden Ausschau und warnt vor diesen. Ihr könnt ja mal googlen, welche Rufe sie ausstoßen und auch wie laut dies vonstatten geht. Zugegeben, so nervig wie die Whistling Frogs auf Barbados sind die Chaco Chachalacas bei Weitem nicht, schön ist allerdings auch anders.
Auf diversen Touren rund um die Lodge haben wir unter anderem Kaimane (im Bild unten rechts), Nandus (flugunfähige Vögel ähnlich den Emus), Gürteltiere, Nasenbären, Ameisenbären (im Bild oben links), Otter (Mitte), Brüllaffen, Kapuzineraffen (Mitte links) und natürlich die Lieblinge aller, Capybaras, also Wasserschweine, gesehen. Letztere sind mit bis zu 62 Zentimeter Schulterhöhe und mit einem Gewicht von um die 75 Kilo die heutzutage noch größten lebenden Nagetiere. Kaum zu glauben, dass sie durchaus schnell laufen, durch ihre Schwimmhäute aber sogar noch besser schwimmen können. Meistens sind sie in Herden anzutreffen, dabei laufen dann alle wie an einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander her. Sehr niedlich! Im Übrigen: Alle, die gehofft haben, dass wir eins im Handgepäck mit nach Hause bringen, vergesst es. Bei den Maßen bzw. Gewicht kriegen wir die nie und nimmer geschmuggelt. Ihr müsst Euch also mit Bildern zufrieden geben. ;-)
Zu den Ameisenbären können wir sagen, dass es hier auf der Ranch auch eine Aufzuchtsstation gibt, die vom Institut Tamandua betrieben wird (wer Näheres erfahren oder sogar spenden will, geht einfach auf deren Webseite). Im verheerenden Feuer von 2020 sind Millionen Tiere jeglicher Art verendet, unter anderem die Ameisenbären waren aber extrem betroffen. Die Aufzuchtsstation, die hier von zwei Mitarbeiterinnen des Instituts betrieben wird, hat insgesamt 15 Waisenkinder gerettet, von denen bislang fünf wieder in die Freiheit entlassen werden konnten. Grundsätzlich ist zu sagen, dass weitere Brände zu befürchten sind, da auch hier (wie zum Beispiel in den USA auch) leider deutlich zu erkennen ist, dass in den letzten Jahren die Trockenheit zugenommen hat und sich Flora und Fauna zu verändern beginnen.
Heute Nachmittag gehen wir mit Rodrigo noch einmal angeln und eventuell Kajak fahren, bevor wir morgen dann die Unterkunft wechseln und uns ins gut 250 Kilometer entfernte Bonito begeben. Dort stehen diverse Wanderungen, Schnorchel- und Fahrradtouren auf dem Programm, wir sind schon sehr gespannt! Bleibt gesund, wir werden berichten!
(veröffentlicht am 03.08.2022)
Ach, Ihr Lieben...
... da es auf der Pousada Aguapé einfach so großartig war, muss zumindest noch einmal eine kurze Zusammenfassung her. Rodrigo, unser persönlicher Guide, war einfach großartig. Er hat sich wirklich sehr um uns gekümmert, zum Beispiel waren wir die einzigen Gäste, deren Tisch immer schon eingedeckt war, wenn wir zum Essen gekommen sind, und er hat uns zudem unheimlich viele Informationen zur Tierwelt und zum Leben auf der Ranch gegeben. In einen privaten, und vor allem englischsprachigen, Führer zu investieren war jeden Cent wert! Durch ihn kamen wir auch in den Genuss, zwei Ausflüge ganz ohne andere Touristen allein zu machen, das war dann eine so richtig exklusive Sache! Rückblickend betrachtet waren alle Touren recht abwechslungsreich. Wir waren zwei Mal mit dem Jeep auf Safari, zwei Mal per Boot auf dem Fluss Aquidauana unterwegs, zwei Mal Piranhas fischen (leider beide Male ohne Erfolg), ein Mal reiten, ein Mal wandern, ein Mal Kajak fahren und ein Mal gab es eine Kutschfahrt. Dazwischen gab es immer ausreichend Freizeit, um zum Beispiel in der Hängematte zu liegen und den Pferden, Kühen und Babyschafen zuzugucken, und vor allem viiiieeel Leckeres zu essen, auch die Köchinnen auf der Fazenda können was. Im Übrigen kochen sie immer zwei Mal, auf der einen Seite Gerichte für die Cowboys und auf der anderen für die Touristen. Scheinbar haben beide Zielgruppen unterschiedliche Bedürfnisse, was das Essen angeht, und somit wird halt unterschiedlich gekocht.
Ich hatte ja schon erwähnt, dass die Ranch ziemlich im Nirgendwo liegt. Die nächste Farm ist zehn Kilometer weit entfernt und die nächstgelegene Stadt erreicht man nach circa 60 Kilometern. Rodrigo hat uns heute noch erzählt, dass auf der Farm auch einige Familien angestellt sind und entsprechend dort wohnen. Deren Kinder werden jeden Tag um 04:30 Uhr abgeholt, um den wirklich langen Weg zur Schule zu bestreiten. Wahnsinn, wie gut es uns in Deutschland geht und was man in anderen Ländern alles auf sich nehmen muss, um Bildung zu erhalten.
Heute wurden wir von unserem privaten Fahrer abgeholt, der uns ins circa 250 Kilometer entfernte Bonito gebracht hat. Was wir nicht wussten, uns Rodrigo aber erklärt hat, ist, dass der Fahrer uns in den nächsten beiden Tagen zur Verfügung steht. Sehr praktisch, allerdings hat das mit Backpacking nicht mehr viel zu tun. ;-) Für alle, die es interessiert: Wir hatten von Deutschland aus über eine brasilianische Agentur das Paket "Pantanal und Bonito" gebucht. Darin inkludiert waren die Abholung vom Flughafen, die Übernachtungen inklusive Vollpension, alle Ausflüge, Rodrigo als unser Guide sowie die Dienste von Joelson, unserem Fahrer. Bezahlt haben wir 180 Euro pro Person und Tag. Das liegt selbstverständlich weit über unserem eigentlichen Tagesbudget, aber für das Pantanal, das ein Herzenswunsch von mir war, machten wir eine Ausnahme. Und es hat sich gelohnt, bislang war es das am besten angelegte Geld, und wenn man bedenkt, welche Leistungen alles in dem Paket stecken, war es aus unserer Sicht auch nicht zu teuer.
Morgen gibt es dann die ersten Ausflüge hier in Bonito, wir werden berichten! Bleibt gesund!
(veröffentlicht am 04.08.2022)
Unsere ersten beiden Tage...
... hier in Bonito waren vollgepackt mit Ausflügen. Unser Wecker klingelte immer um fünf Uhr morgens, wir sind ganz froh, dass wir morgen die Unterkunft wechseln und ausschlafen können. Ich glaube, ich hatte es schon einmal erwähnt, aber hier findet Ökotourismus statt wie ich ihn mir vorstelle. In der Gegend um Bonito hat man schon vor zwanzig Jahren erkannt, wie wertvoll diese Art von Tourismus ist und dass die Natur geschützt gehört. Die Ranches, auf Portugiesisch Fazenda, die Besucher für Tagesausflüge zulassen, haben dabei sehr hohe Standards angesetzt. Es ist reglementiert, wie viele Touristen pro Tag kommen dürfen (auf der Fazenda heute waren zum Beispiel nur maximal 200 Personen zugelassen, mit einer Gruppengröße von nicht mehr als 15 Touristen). Bedeutet, man muss hier vorher seinen Ausflug über eine Agentur buchen und es wird beim Einlass auch streng darauf geachtet, dass man zu dem Zeitfenster kommt, das einem zugewiesen wurde. Es geht stellenweise sogar so weit, dass an bestimmten Stellen auf dem Areal der Ranches Stoppuhren hängen, die der Guide dann betätigen muss, um zu beweisen, dass er mit seiner Gruppe innerhalb seines Zeitslots geblieben ist. Von der Art her hat man das auf den Galápagos-Inseln auch propagiert, aber in der Realität hat das niemanden so richtig interessiert.
Die Bauernhöfe haben meistens ein Areal von 2.000 bis 5.000 Hektar, natürlich wird auch Ackerbau und Viehzucht betrieben, aber mindestens 50% der Grundfläche ist staatlich geschützt und muss in seiner ursprünglichen Form erhalten werden. Je nach Lage der Fazenda werden Touristen dann Wanderwege, Schnorcheltouren in kristallklaren Flüssen, das Abseilen an Berghängen und Reitausflüge geboten. In den Eintrittspreisen ist auch immer ein Frühstücks- und Mittagsbuffet enthalten, es gibt kostenfreies WLAN, einen Pool und Hängematten zum Relaxen und immer sehr saubere sanitäre Anlagen (inklusive Duschen).
Unsere Ausflüge führten uns bislang zur Gruta do Lago Azul, einer Tropfsteinhöhle mit Stalaktiten, Stalagmiten und einem unheimlich blauen See, zur Fazenda "Recanto Ecologico Rio da Prata" und zur "Fazenda Boca da Onça". Mit an Bord war immer unser englischsprachiger Führer Ailton (da schlug das Werder-Herz gleich höher), der uns vieles über die Ranches und den Naturschutz erzählt hat. Unsere Aktivitäten beinhalteten das zwei Kilometer lange Schnorcheln in den Flüssen Olho d'Agua und Prata. In Summe waren wir über drei Stunden im Wasser, die angekündigten 25 Grad waren nur anfangs zu spüren, nach der langen Zeit wurde einem trotz Neoprenanzügen doch ein bisschen kalt. Durch die Strömung musste man noch nicht einmal viel schwimmen, so dass einem auch die Bewegung fehlte. Egal, genossen haben wir es so oder so und die kleine Gruppe, mit der wir wie an der Perlenschnur durch die Flüsse geschnorchelt sind, war sehr sympathisch. Wir haben direkt mit zwei brasilianischen Mädels Nummern ausgetauscht, um uns gegenseitig die Fotos zu schicken. Das ist hier im Übrigen unter jüngeren Leuten echt so üblich, wir haben auch schon in São Paulo in einem Restaurant Nummern mit einer Brasilianerin, die jetzt in Düsseldorf lebt, ausgetauscht, damit sie uns per WhatsApp Reisetipps schicken kann. Die Leute hier sind wirklich ausgesprochen nett und kontaktfreudig, uns gefällt es mega gut!
Beim Ausflug heute auf die Fazenda Boca da Onça (übersetzt "Maul des Jaguar") haben wir eine fünf Kilometer lange Wanderung unternommen, klingt erstmal nach nicht viel, aber es waren schon ein paar Höhenmeter dabei, zum Schluss mussten wir eine Treppe mit 886 Stufen bestreiten. Da kam man schon etwas aus der Puste. Zudem hatten wir an vier Stellen die Möglichkeit, schwimmen zu gehen, was wir auch gemacht haben. Normalerweise besticht das Areal der Ranch durch grandiose Wasserfälle, allerdings hatte uns die Agentur vorab schon mitgeteilt, dass durch die aktuelle Dürre die Wasserfälle ausgetrocknet seien und auch angeboten, stattdessen eine andere Tour mitzumachen. Wir sind froh, dass wir der Empfehlung der Agentur gefolgt und bei unserem Vorhaben geblieben sind, denn so oder so war der Ausflug heute fantastisch. Die Ranch hat ihren Namen übrigens aufgrund des mit 157 Metern höchsten Wasserfalls, eine Gesteinsformation des Abhangs, den der Wasserfall herunter donnert, soll wie das Maul eines Jaguars aussehen. Wir haben es nicht wirklich erkennen können, aber vielleicht fehlte uns einfach ein wenig Phantasie.
Wie bereits erwähnt werden wir morgen die Unterkunft wechseln und einen ruhigen Tag einlegen. Das ist auch dringend nötig, denn nach den ganzen Ausflügen im Pantanal und rund um Bonito sind wir schon wieder voll mit Eindrücken, die verarbeitet werden wollen. In der kommenden Woche geht es dann mit Schnorchel-, Wander- und Radtouren weiter, wir werden Euch auf dem Laufenden halten. Bleibt gesund!
(veröffentlicht am 06.08.2022)
Das Essen hier in Brasilien...
... ist wie erwartet sehr gut und bislang das Beste, das wir auf der Reise hatten. Man muss allerdings ein wenig aufpassen, was man so isst, die Brasilianer lieben es auf der einen Seite deftig und auf der anderen Seite fürchterlich süß.
Um mal mit den deftigen Sachen zu beginnen. Was es in Brasilien zu jeder Tages- und Nachtzeit frisch zubereitet (gern in Begleitung einer heißen Schokolade) und als günstigen Snack zu kaufen gibt, ist Cheesebread. Im Grunde ist es ein Brotteig, der mit seeehr viel Käse angereichert und dann gebacken wird. Klingt erstmal nicht schlecht und für Käseliebhaber wie uns eigentlich sehr gut, allerdings ist das Brot dermaßen mächtig, dass es wie ein Klumpen im Magen liegt. Schon in der Hand fühlt es sich wie ein schwerer Brocken an, sieht dabei aber eigentlich ganz harmlos aus (zwei Varianten des Cheesebread seht Ihr in den Bildern Mitte links und Mittte unten). Unser Fall ist es auf jeden Fall nicht, die Brasilianer dagegen lieben es, im Grunde bietet jeder Kiosk, jede Bäckerei oder sonstiger Essensstand dies an. An Hauptgerichten besticht die Küche natürlich durch gutes Rindfleisch (das auch keine weiten Wege rund um den Globus hinter sich hat bringen müssen), aber auch frisch gefangenen Fisch und Hähnchen. Schmackhafte Beilagen wie Kartoffelpürree und in Soßen angemachtes Gemüse runden das Ganze dann ab. Auch ich als halber Vegetarier komme auf meine Kosten, da hier durchaus Lebensmittel, die man von zu Hause kennt und ich selbst in meiner Küche habe, verarbeitet werden. Dazu gehören zum Beispiel Möhren, Kichererbsen, Blumenkohl oder rote Beete.
DAS Nationalgericht, das es in ganz Brasilien immer mittwochs und samstags gibt, ist Feijoada. Dabei handelt es sich um einen Eintopf aus Bohnen, Schweine- und Rindfleisch, im Bild links unten zu sehen. Jens fand es lecker, mein Fall ist es durch das viele Fleisch nicht, zumal in eine richtige Feijoada alle Restes des Tieres gehören, unter anderem die Ohren, Füße oder Schwänze. Na dann, guten Appetit!
Einen sehr süßen Zahn haben die Brasilianer, wie bereits erwähnt, auch. Die heiße Schokolade kann man hier nicht trinken, vor lauter Süße zieht sich einem alles im Munde zusammen. Der Kaffee ist hier, wie auch schon in den anderen Ländern in Lateinamerika, aus unserer Sicht sehr gut und vor allem stark. Die Brasilianer trinken ihn dabei allerdings gern unheimlich süß, beim Buffet morgens steht überall schon immer extra dran, dass es sich um ungesüßten Kaffee handelt, den man zapfen kann. Nicht, dass da noch jemand unvorbereitet einen Schluck nimmt und vor lauter Schreck einen Herzinfarkt erleidet. Ebenfalls zum Frühstück gibt es immer eine riesige Auswahl an Kuchen (hätte ich mir eigentlich denken können, dass Kuchen hier sehr beliebt sind, das war eine meiner ersten Vokabeln, die ich im Portugiesisch-Kurs gelernt habe). Dabei handelt es sich dann nicht um Torten, sondern um Rührkuchen jeglicher Art, also Marmor, mit Zitrone, Maracuja oder ähnlichem.
Zum Nachtisch isst man hier gern Milchreis, der zu unserer Verwunderung kaum gesüßt ist, zu dem dann allerdings auch gern in Sirup eingemachte Früchte gereicht werden. Wenn man letztere weglässt, hat man einen aus unserer Sicht leckeren Nachtisch. Ebenfalls zu den eingemachten Früchten und Milchreis wird die sogenannte "Doce de leite" gereicht. Dabei handelt es sich um Karamell, das allerdings etwas anders als in Deutschland hergestellt wird. Hier nimmt man zum Beispiel sieben Liter Milch, viiiel Zucker und lässt das Ganze dann acht Stunden (!) kochen, bis zum Schluss noch ein Liter Milchkaramell übrig bleibt. Die Masse hat dann eher Puddingcharakter, schmeckt unheimlich gut, ist allerdings nur in kleinen Dosen bzw. als Klecks zum Milchreis oder, wie die Brasilianer es machen, zu einem Stück Käse verträglich.
Heute haben wir die Unterkunft gewechselt, eingekauft und einen großen Haufen Wäsche gewaschen (übrigens in dem modernsten Waschsalon, der uns je begegnet ist, mehr dazu in einem folgenden Beitrag). Morgen ruhen wir uns weiter ein wenig aus und erkunden Bonito, unser erster Eindruck von der Stadt ist sehr gut, mal schauen, ob sich das morgen bestätigt. Wir melden uns, bleibt gesund!
(veröffentlicht am 07.08.2022)
An den letzten beiden Tagen...
... waren wir wieder etwas aktiver unterwegs und haben an Touren teilgenommen. Am Anfang der Woche war das Wetter sehr schlecht (damit meinen wir dann Dauerregen und zehn Grad), da war die Lust, etwas zu unternehmen, eher gering. Zudem lag ich ein wenig mit Magen-Darm flach, zwar bei weitem nicht so schlimm, wie es auf den Galápagos-Inseln war, aber immerhin so, dass wir eine gebuchte Schnorcheltour absagen mussten. Das Geld bekommen wir zurück, damit hatten wir gar nicht gerechnet, weil wir kurzfristig eine Stunde vor Abholung Bescheid gegeben haben, dass wir nicht teilnehmen.
Gestern und heute dann konnten wir alles wie geplant durchführen. Wir waren im Fluss Nascente Azul schnorcheln, Jens hat sich mehrfach per Zipline ins Wasser gestürzt und wir waren Teil einer über eine Agentur gebuchten Fahrradtour. Leider ist bei der Buchung wohl ein Fehler unterlaufen, unsere eigentlich geplante Rundfahrt, die 18 Kilometer durch die Umgebung von Bonito gegangen wäre, wurde heute nicht angeboten. Man hat uns stattdessen auf eine kürzere Tour mitgenommen, die auch einen ordentlichen Eindruck bei uns hinterlassen hat. Hier gibt es nämlich schöne und gut ausgebaute Fahrradwege abseits der Bundesstraßen, und wer mag, kann auch auf nicht asphaltierten Straßen die Berge erklimmen. So oder so finden wir, dass hier in der Gegend rund um Bonito sehr viel Tolles geboten wird, es ist wirklich für jedermann, also von Sportfreaks über Familien bis hin zu Rentnern, etwas dabei und man kann locker eine ganze Woche mit Ausflügen füllen.
Der Ort ist durch den Ökotourismus, der hier seit vielen Jahren angeboten wird, für brasilianische Verhältnisse recht wohlhabend. Die Infrastruktur ist gut, es gibt einen kleinen Flughafen, ein Krankenhaus, diverse Schulen und etliche Restaurants, Cafés und Läden. Wir fühlen uns auf jeden Fall sehr wohl und auch sicher, hier lässt man zum Beispiel sein gutes Mountainbike unabgeschlossen einfach am Straßenrand stehen. Ach ja, und ein Highlight, das ich schon angekündigt hatte, ist der ultramoderne Waschsalon. Die Waschmaschinen und Trockner sind einfach alle durchnummeriert und per Display, das am Eingang steht, wählt man die Maschine, die man gefüllt hat, aus und bezahlt mit der Kreditkarte (Kostenpunkt drei Euro pro Wäsche). Dann muss man nur noch kurz den Waschgang auswählen und starten. Das Waschpulver und der Weichspüler sind automatisch integriert, hier muss man nichts tun. In Deutschland ist uns solch ein Vorgehen noch nicht untergekommen, allerdings habe ich auch zuletzt vor acht Jahren in Köln einen Waschsalon benutzt, daher kann sich da auch bei uns durchaus was geändert haben.
Bonito scheint, wie eigentlich alle Orte, die wir bislang in Brasilien gesehen haben, recht jung von der Bevölkerungsstruktur her zu sein. Alle, die im Tourismus arbeiten, würde ich so auf zwischen 20 und 30 schätzen und auch auf den Straßen sind auffällig viele junge Leute unterwegs. Süß ist, und das hatte uns unsere Führerin in São Paulo bereits angekündigt, dass die Menschen, die man trifft, halb in Panik verfallen, wenn sie realisieren, dass man kein Portugiesisch spricht und sie nun auf Englisch kommunizieren müssen. Sie entschuldigen sich dann mehrfach für ihr schlechtes Englisch, dabei können sie es eigentlich ganz gut, zumindest konnten wir uns immer gut verständigen und Missverständnisse gab es nur in ganz wenigen Ausnahmefällen. Wenn man einem Brasilianer eine (durchaus vernehmbare) Freude bereiten will, sagt man ihm, dass sein Englisch gut sei, dann flippen sie fast aus. :-) Echt niedlich!
Morgen und übermorgen sind vollgepackt mit Ausflügen, wir werden in einen Vogelpark gehen, wandern und schnorcheln, bevor es dann am Sonntag heißt: Koffer packen und ab in den Flieger nach Foz do Iguaçu. Wir halten Euch auf dem Laufenden, bleibt gesund!
(veröffentlicht am 11.08.2022)
Weitere Ausflüge...
... führten uns gestern und heute in das Naturschutzgebiet "Buraco das Araras", zur "Lagoa Misteriosa" und in den "Parque das Cachoeiras". Aber eins nach dem anderen. Gestern wurden wir wieder früh um sieben Uhr abgeholt (wobei es auch noch früher geht, mehr dazu später) und dann ging es mit dem Kleinbus und unserer Ausflugstruppe in den Buraco das Araras. Hierbei handelt es sich um ein privat geführtes Naturschutzgebiet mit der drittgrößten Sinkhöhle der Welt. Der Käufer des Grundstücks wusste, als er das Areal 2007 erwarb, nicht, auf welch einem Schatz er mit seinem Gelände hockt, erst später wurde er sich der Sinkhöhle bewusst, da diese illegal von Leuten zur Müllentsorgung genutzt wurde. Kurzentschlossen bat er dann das Militär um Hilfe, die 100 Meter tiefe Grube zu entrümpeln, dabei kamen einige Kuriositäten zum Vorschein, von einem Auto bis hin zu 23 menschlichen Knochen war alles dabei. Ein Zaun schützt nun vor ungebetenen Eindringlingen, so dass sich auch die Natur in und um das Sinkloch erholen konnte. Mittlerweile sind hier weit über 300 Aras zu Hause, welche sowohl in den Bäumen drum herum als auch in den Höhlen der Grube nisten. Schön war, dass wir auf der 1-stündigen Führung einen englischen Übersetzer hatten, der uns ein wenig über die Grube und den Besitzer erzählt hat, interessant war, dass dieser mit circa 14 Jahren noch ein Jugendlicher war. Er hat es aber sehr gut gemacht und sich sein Trinkgeld redlich verdient. In Bonito und Umgebung ist es übrigens nicht selbstverständlich, Touren auf Englisch zu erhalten, da vorrangig Brasilianer hier Urlaub machen. Man merkt schon, dass man da als Ausländer ein Exot ist, die Brasilianer machen es einem aber sehr leicht, sich wohl zu fühlen. Auf jeder Tour haben sich die Leute erkundigt, woher wir kommen, ob uns Brasilien gefällt und ob es unser erstes Mal im Land ist. Kurzum, man kommt immer schnell ins Gespräch, dabei merkt man, wie sehr die Brasilianer ihr Land, aber auch das Leben an sich lieben. Wir haben selten auf Reisen so viel Lachen gehört!
Nach dem Besuch des Parks ging es dann zur Lagoa Misteriosa, übersetzt Mysteriöse Lagune, zum Schnorcheln. Dabei standen weder die Fische noch die Pflanzenwelt im Vordergrund, wie es bislang auf den Schnorcheltouren in den Flüssen der Fall war, sondern das Besondere war die Tiefe der Lagune. 70 (!) Meter Wasser hatten wir unter uns, natürlich wurde dabei mit Rettungsweste geschnorchelt. Ich für meinen Teil war ganz froh darum, denn bei dem Gedanken, dass es so weit unter einem in die Tiefe geht, wurde mir schon etwas mulmig. Beeindruckend war die Sicht nach unten allemal, leider hat unsere Actionkamera neulich einen Wasserunfall erlitten und macht seither nicht mehr allzu schöne Bilder, so dass ich Euch keines beigefügt habe.
Auf heute Morgen hatten wir uns gefreut, da wir endlich einmal in Ruhe frühstücken konnten, unser Shuttle war "erst" zu halb acht angekündigt. Aber denkste, wir saßen um viertel vor sieben gerade am Frühstückstisch, da wurden wir schon ausgerufen, weil unser Fahrer vor der Tür stand. Da hieß es dann Kaffee runterspülen und schnell ein trockenes Stück Brot in den Mund schieben, Gott sei Dank hatten wir ansonsten alles vorbereitet und mussten nur noch unseren Rucksack schnappen. So einen Stress am Morgen braucht echt kein Mensch. Im Bus dann, wie übrigens auf ALLEN anderen Touren auch, machten sich die anwesenden Brasilianerinnen erstmal hübsch. Was die alles während einer doch stellenweise ruppigen Fahrt alles mit ihrem Gesicht anstellen können, ist beeindruckend. Da wird Make-up aufgelegt, die Wimpern getuscht und Lippenstift aufgetragen, beim Schwimmen wird dann strengstens darauf geachtet, dass weder das geschminkte Gesicht noch die gemachten Haare unter Wasser gelangen. Das Schminken ist aber alles für einen guten Zweck, die Brasilianer lieben (gestellte) Fotos! Auf jeder Tour, die wir bislang mitgemacht haben, wurden ausreichend Pausen für Selfies eingelegt und die Führer kannten immer die besten Orte und Posen, um allerbeste Bilder zu schießen. Entsprechend viel Geduld muss man übrigens als Europäer mitbringen, bis alle erstmal mit ihren Fotos durch sind, kann es schon mal ein Weilchen dauern. Aber ich schweife ab.
Unsere heutige Tour führte uns in den "Parque das Cachoeiras", zu Deutsch "Park der Wasserfälle". Insgesamt sieben gab es auf dem zwei Kilometer langen Wanderweg zu bestaunen, ins doch sehr kalte Wasser haben wir uns an fünf Wasserfällen gewagt. Dabei war jeder Wasserfall für sich schön und jeder bot unterschiedliche Highlights an. An einem war eine Schaukel angebracht (die natürlich bei den Brasilianerinnen ein begehrtes Fotomotiv war, Schlange stehen inklusive), an einem anderen wiederum konnte man von einem drei Meter hohen Turm ins Wasser springen. Jens hat dies natürlich gemacht, ich habe verzichtet. Erwähnenswert ist, dass nicht alle Brasilianer schwimmen können und man auf allen Touren entsprechend immer mit Rettungswesten ausgestattet wird. Nach drei Stunden kamen wir dann ziemlich durchnässt, aber glücklich, wieder am Haupthaus an. Grundlegend haben wir festgestellt, dass uns das Preis-Leistungsverhältnis hier in Bonito sehr gut gefällt, was Hotels, Touren und Restaurants anbelangt. Unser recht einfaches Zimmer kostet pro Nacht inklusive Frühstück 25 Euro (für uns beide!), eine Tour durchschnittlich 30 Euro pro Person und bei einem Restaurantbesuch ist man mit 25 Euro für zwei Hauptgerichte und Cocktails dabei. Wir nehmen an, dass das aus unserer Sicht gute Preis-Leistungsverhältnis auch daran liegt, dass hier, wie bereits erwähnt, fast ausschließlich Brasilianer (und keine "reichen" Europäer und Nordamerikaner) hier Urlaub machen.
Morgen werden wir Bonito schweren Herzens verlassen, wir hätten durchaus noch eine Weile bleiben und an noch mehr Touren teilnehmen können. Aber Foz do Iguaçu ruft, das wird sicherlich auch noch einmal interessant und spannend. Wir werden berichten, bleibt gesund!
(veröffentlicht am 13.08.2022)
Sehr schweren Herzens...
... haben wir gestern Bonito verlassen, das Gesamtpaket hat für uns dort absolut gestimmt. Wir sind uns sicher, wir kommen wieder, denn es gibt in der Umgebung noch so viel zu erleben!
Bonito verfügt über einen kleinen Flughafen, und ich meine damit bei weitem nicht die Größe des Paderborner oder Münsteraner Flughafens. Nein, es geht noch viel, viel winziger. Alle, mit denen wir vorher gesprochen haben, sagten uns, dass es ausreicht, eine Stunde vor Abflug am Flughafen zu sein, und selbst das war immer noch dicke ausreichend. Check-In-Schalter gab es zwei an der Zahl, einen der Fluggesellschaft GOL und einen der Fluggesellschaft Azul, welche wir genommen haben. Displays, die einem anzeigten, an welches Gate man muss, suchte man vergeblich, allerdings brauchte man die Info auch nicht, denn es gab sage und schreibe nur ein einziges Gate. ;-)
Falls ich es schon einmal erwähnt habe, tut es mir leid, dass ich mich jetzt wiederhole, aber es ist einfach zu erwähnenswert. Die Brasilianer sind noch pünktlicher als die Deutschen und in puncto Organisation kann sich Europa noch eine Scheibe abschneiden. Unser Taxifahrer, der uns zum Flughafen gefahren hat, kam 15 Minuten zu früh und erneut war es so, dass alle Passagiere bereits zwei Minuten nach dem offiziellen Start des Boardings im Flieger saßen. In São Paulo mussten wir umsteigen, dort hat sich Azul zum reibungslosen Ablauf des Boardings etwas einfallen lassen. Per Projektion auf den Boden (siehe mittiges Bild) wurde immer jede vierte Sitzreihe zum Einsteigen aufgerufen, was den Prozess sehr entzerrte und das übliche Chaos im Flieger selbst verhinderte. So ein Vorgehen würde ich mir in Europa auch wünschen! Auch beim Aussteigen lief alles ganz gesittet ab, da auch hier wieder jede vierte Reihe aufgerufen wurde und zugegebenermaßen sich alle daran gehalten haben.
Heute stand dann auch direkt das erste Highlight auf dem Programm, die Wasserfälle von Iguaçu. Der zum UNESCO Weltnaturerbe gehörende Nationalpark beherbergt knapp 280 Wasserfälle über eine Strecke von 2,7 Kilometern, was sie zu den größten Wasserfällen der Welt macht. Die meisten von ihnen sind um die 60 Meter hoch, der imposanteste Wasserfall bringt es auf 82 Meter. 2009 wurden die Iguaçu-Wasserfälle, aus unserer Sicht vollkommen zu Recht, auf die Liste der "sieben neuen Naturwunder" gewählt. Mit welch einer Wucht die Wassermassen über eine Breite von mehreren Kilometern hinunter tosen, ist wirklich spektakulär und eine Reise wert! Besonders ist auch, dass die Wasserfälle eine brasilianische und eine argentinische Seite haben, wir waren heute zunächst im brasilianischen Teil unterwegs, konnten aber auf der anderen Seite des Ufers die argentinische Flagge sowie zahlreiche Touristen erkennen. So voll wie "drüben" war es bei uns heute nicht, so dass man in Ruhe Fotos machen konnte. Natürlich darf an einer solchen Stelle ein Nobelhotel nicht fehlen. Das 5-Sterne Belmond Hotel das Cataratas kostet schlappe 500 Euro die Nacht (ist also weit über unserem Budget, wir zahlen für unsere aktuelle Pousada 21 Euro für beide inklusive Frühstück), ist aber zumindest von außen mit seinem Kolonialstil schön anzuschauen. Der farblich passend zur Außenfassade gestaltete T1-Bulli rundete das Bild ab.
Aktuell schauen wir noch, was es in Foz do Iguaçu noch alles zu entdecken gibt. Auf der Fahrt zum Nationalpark haben wir ein Museum entdeckt, das Autos aus Filmen ausstellt. Das ist sicherlich für einen regnerischen Tag (die Vorhersage sieht für morgen und übermorgen nicht ganz so rosig aus) eine gute Aktivität. Einen schönen Vogelpark gibt es auch in der Nähe und auf die argentinische Seite der Wässerfälle wollen wir definitiv auch noch. Wie Ihr seht, wir kriegen die Woche in Foz do Iguaçu sicherlich gut rum. Bleibt am Ball, wir melden uns wieder!
(veröffentlicht am 15.08.2022)
Gestern standen zwei Ausflüge,...
... die wir uns rausgesucht hatten, auf dem Programm. Zum einen waren wir im Vogelpark "Parque das Aves" und zum anderen in einem Museum mit Filmautos. Beide Sehenswürdigkeiten waren im Internet sehr gut bewertet und unsere Erwartungen waren entsprechend hoch.
Per Uber (was hier hin Brasilien übrigens eine prima und kostengünstige Alternative zu Taxen darstellt) ging es für uns zunächst in den größten Vogelpark Lateinamerikas. Dieser wurde 1994 von einer Deutschen und ihrem südafrikanischen Ehemann gegründet. Deren Liebe zu Vögeln fing mit einem jungen Graupapagei an, den sie in Namibia gerettet hatten. Im Laufe der folgenden Jahre brachten ihnen immer mehr Leute verletzte Wildvögel vorbei, so dass irgendwann die Idee des Vogelparks entstand. 1993 kaufte das Ehepaar dann gut 16 Hektar Land in der Nähe der Iguaçu-Wasserfälle und errichtete nach und nach den Park. 1994 bekamen sie die ersten Vögel, teils als Leihgabe von anderen Zoos, teils von der brasilianischen Umweltbehörde, die Papageien von Schmugglern konfisziert hatte. Vogelschmuggel ist hier übrigens leider, auch dreißig Jahre später, immer noch ein Thema, dabei sterben neun von zehn Vögel im Verlauf der Reise. Umso wichtiger, dass es Orte wie den Park gibt, damit die Vögel auf der einen Seite wieder aufgepäppelt werden und gleichzeitig die Bevölkerung für die Umstände sensibilisiert wird. Uns hat der Park sehr gut gefallen, mit 10 Euro Eintritt pro Person war er günstig, die Gehege erschienen alle gut in Schuss und auch ausreichend Platz zu bieten, die Vögel sahen gesund aus und über Infotafeln wurde man über die Historie des Parks, die unterschiedlichen Vogelarten und über Programme, die der Park zum Schutz der Tiere initiiert hat, aufgeklärt. Dass Tier- und Umweltschutz hier groß geschrieben und auch gelebt werden, hat man im Park übrigens auch daran gemerkt, dass überall Wasserspender standen und dazu aufgerufen wurde, wiederverwendbare Flaschen zu benutzen. Ach, a propos Müll. Im Gegensatz zu allen anderen südamerikanischen Ländern, in denen wir bislang gewesen sind, liegt hier kaum Müll am Straßenrand oder in der Natur. Und das scheint auch keine lokal begrenzte Sache zu sein, denn wir sind jetzt schon im dritten brasilianischen Bundesstaat und es war überall sauber. Wie bereits erwähnt, wir lieben Brasilien!
Unser zweite Ausflug führte uns in das Museum "Movie Cars", welches sich auch als ein Highlight entpuppte. Mehr als 50 Wagen wurden hier ausgestellt, als Besucher wurde man von Halle zu Halle geführt, und jeder Bereich hatte ein eigenes Motto. Natürlich standen die Autos im Vordergrund, von James Bond über das A-Team bis hin zu Mister Bean war alles dabei. Die einzelnen Bereiche waren dabei sehr liebevoll gestaltet, bei James Bond hatte man zum Beispiel die Kommandozentrale nachgebaut und bei Mister Bean sein Wohn- und Schlafzimmer. Über Monitore konnte man noch Hintergrundinfos zu den Filmen und zu den Autos an sich erhalten und darüber hinaus auch Szenen sehen, in denen das Auto eine tragende Rolle spielte. Abgerundet wurde der Aufenthalt dann durch das zum Museum gehörige amerikanische Diner, welches so gestaltet war, wie man sich das vorstellt. Es gab schwarz-weiße Fliesen an den Wänden, rote Ledersitzgruppen und natürlich Burger und Pommes zu essen. Auf den Toiletten waren die Waschbecken in echte Reifen eingefasst, wodurch es ein wenig streng roch, aber natürlich perfekt zum Thema des Museums passte. Zurück sind wir dann mit dem Linienbus gefahren, die 30-minütige Fahrt hat uns einen Euro pro Person gekostet und leider habe ich mich als Deutsche schon wieder fremdschämen müssen. An der Bushaltestelle hatten sich die Brasilianer, wie es hier so üblich ist, schön in einer Reihe zum Warten aufgestellt. Was nun passiert ist, könnt Ihr Euch sicher denken. Es kam eine Gruppe junger Deutscher an, die sich zunächst auch brav hinten angestellt haben, dann aber scheinbar die Geduld verloren und sich kurz vor Ankunft des Busses so am Straßenrand positioniert haben, dass sie die Ersten beim Einstieg waren. Mir fällt bei einem solchen Verhalten nicht viel ein, es kann ja eigentlich nicht so schwer sein, zu beobachten, wie sich die einheimische Bevölkerung verhält, um dann sein eigenes Handeln anzupassen.
Heute haben wir nicht viel gemacht, wir sind eine Runde durch Foz do Iguaçu gelaufen und haben ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Die Stadt selbst ist nicht schön und keine Reise wert, aus unserer Sicht merkt man hier, dass der Tourismus nicht so viel Geld abwirft wie es zum Beispiel in Bonito der Fall war. Die Schwierigkeit ist wahrscheinlich, dass viele Touristen nur maximal zwei Nächte bleiben, um an einem Tag die brasilianische und am anderen Tag die argentinische Seite der Wasserfälle zu erkunden. Dies ist ein wenig schade, da zum Beispiel sowohl der Vogelpark als auch das Automuseum sehr gut durchdacht und absolut zu empfehlen sind, leider aber merklich wenig Besucher da waren.
Morgen früh haben wir eine dreistündige Stadtführung gebucht, mal schauen, ob wir doch noch schönere Ecken von Foz do Iguaçu zu sehen bekommen, und am Freitag steht ein ganztägiger Ausflug nach Argentinien auf dem Programm. Wir werden berichten, bleibt gesund!
(veröffentlicht am 17.08.2022)
Heute gibt es...
... nur ein kurzes Update von uns. Wie bereits angekündigt, klingelte heute Morgen um halb sieben der Wecker, da wir um acht zu einer Stadtführung abgeholt wurden. Auf dem Programm stand der Besuch eines buddhistischen Tempels sowie einer Moschee. Den Rückweg haben wir dann über die schönste Straße Foz do Iguaçus genommen. Da es heute Morgen noch in Strömen regnete und William, unser Guide auch nicht gerade den Anschein machte, sich nach draußen wagen zu wollen, haben wir zunächst die Stadt mit dem Auto erkundet. Dabei sind wir unter anderem an den recht schicken Wohngebieten der Ingenieure des Itaipu-Staudamms vorbeigekommen. Das zum Staudamm gehörige Wasserwerk wurde 1984 nach über zehnjähriger Bauzeit (mehr als 30.000 Menschen waren übrigens am Bau beteiligt) fertiggestellt, und war bis 2006 das leistungsstärkste Wasserwerk der Welt.
Der Buddhisten-Tempel, den wir danach angesteuert haben, wurde 1996 auf einem großen Areal oberhalb der Stadt errichtet. Besonders sind neben dem Tempel an sich die 120 goldenen Statuen, die jede für sich eine andere Bedeutung rund um das Thema Frieden und Balance hat. Da wir dann schon mal international religiös unterwegs waren, gingen es danach noch in die Omar Ibn Al-Khatab-Moschee. Diese wurde 1983 gebaut und architektonisch an die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem angelehnt. Dabei ist sie allerdings im Gegensatz zu ihrem arabischen Pendant ganz in weiß gehalten. Die Moschee ist mit einer Gesamtfläche von 600 Quadratmetern, von denen 400 der eigentliche Gebetsraum sind, nicht gerade riesig, dafür aus unserer Sicht aber durch ihre blaue und goldene Farbgebung im Inneren sehr schön. Nach drei Stunden wurden wir von William über die schönste Straße Foz do Iguaçus, der Rua Pedro Basso, geleitet. Und ja, mit ihrem alten Baumbestand und hübschen Villen ist sie wirklich sehenswert (Bild oben in der Mitte), allerdings haben wir natürlich auf unseren Reisen schon hübschere Gegenden gesehen. Da bestätigt sich einmal mehr unser Eindruck, dass man hier in Foz sicher gut und günstig leben kann, dass die Stadt aber an sich nichts Besonderes ist (von den spektakulären Wasserfällen mal abgesehen).
A propos günstig leben. Unsere täglichen Ausgaben sind deutlich gesunken, wie bereits erwähnt, kostet unsere Unterkunft für uns beide inklusive Frühstück schlappe 21 Euro und das Mittagessen hat uns bislang immer sechs Euro pro Person inklusive Getränk und Nachtisch gekostet. Das Mittagessen läuft in ganz Brasilien ähnlich ab, es gibt spezielle Restaurants, die nur mittags geöffnet haben und für günstiges Geld ein Buffet anbieten (Touristenführer bekommen dabei das Essen umsonst, das war auch schon in São Paulo und im Pantanal so). Zur Auswahl stehen dann die Optionen "All you can eat" oder es wird nach Gewicht bezahlt. Heute waren wir in einem typisch brasilianischen Restaurant, das Reis, Pommes und natürlich Fleisch auftischte und gestern in einem chinesisch angehauchten Lokal, welches rein vegetarische Gerichte anbot. Letzteres hat uns so gut gefallen, dass wir da am Samstag auf jeden Fall noch einmal hin wollen bevor es uns dann nach Florianópolis verschlägt.
Da wir morgen den ganzen Tag auf der argentinischen Seite der Wasserfälle verbringen und am Samstag unser "Überführungstag" nach Florianópolis ist, werdet Ihr die nächsten zwei Tage voraussichtlich nichts von uns hören. Wir melden uns aber ganz bald wieder, versprochen. Bleibt gesund!
(veröffentlicht am 18.08.2022)
Wir sind Euch noch...
... einen Bericht zu unserem Tagesausflug nach Argentinien schuldig. Am Freitag sind wir schon relativ früh um halb acht von unserem Taxifahrer Nestor abgeholt worden, der uns zur argentinischen Grenze gebracht hat. Foz do Iguaçu ist von Argentinien durch den "Rio Iguazu", also einem Fluss, getrennt.Bedeutete für uns, dass wir zunächst auf der brasilianischen Seite zur Kontrolle unserer Pässe mussten, da wir ja offiziell ausreisen wollten. Dann hat uns Nestor über eine Brücke zur anderen Seite des Flusses gefahren, wo ein argentinischer Fahrer sowie der nächste Kontrollpunkt unserer Pässe auf uns wartete. Leider haben wir für den Kurzaufenthalt in Argentinien keinen Stempel für den Reisepass erhalten, was insbesondere Jens etwas traurig gestimmt hat. Nach zwanzig Minuten Fahrt kamen wir am argentinischen Teil des Nationalparks der Iguaçu-Wasserfälle an - und wurden gleich erschlagen, so viele Touristen waren schon da. Wenn man Menschenmengen nicht mehr gewohnt ist und auch bislang eher in ruhigeren touristischen Gegenden unterwegs war, muss man sich erstmal wieder an den Trubel gewöhnen.
Los ging es mit einer Fahrt in einer Bimmelbahn, um an den äußersten Punkt des Nationalparks zu gelangen. Dort angekommen liefen wir über Stege 1,7 Kilometer aufs Wasser hinaus. Ihr hört richtig, die Wege, die man lief, waren eher Brücken, die komplett über Wasser gingen. Zur Erinnerung: Es gibt im Nationalpark knapp 280 Wasserfälle über eine Breite von 2,7 Kilometern, alle auf der argentinischen Seite. Bedeutet, dass man von Brasilien aus das schöne Panorama genießen kann, zur Sache im Sinne von tosenden Wasserfällen und Gefahr, nass zu werden, geht es dann aber in Argentinien. Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum die argentinische Seite viel, viel mehr Besucher zu verzeichnen hat als die brasilianische. Das erste Highlight war dann der "Garganta do Diabo", zu Deutsch Teufelsschlucht. Und, was sollen wir sagen, es war laut und nass. Die Wassermassen, die die 150 Meter breite und 700 Meter lange Schlucht hinunterstürzten, waren sehr beeindruckend, im Bild übrigens Mitte rechts zu sehen. Als wir ankamen, war es noch einigermaßen gut möglich, ein Foto zu schießen, schnell füllte sich aber die Plattform mit Reisegruppen, so dass es doch recht voll wurde und wir lieber das Weite suchten.
Danach haben wir noch weitere schöne Stellen zu Fuß erkundet, wir waren eigentlich darauf eingestellt, in Ruhe ein bisschen wandern gehen zu können (im Internet klang es so, als ob man auf der argentinischen Seite durchaus Kilometer machen kann), allerdings machten uns da sowohl die Streckenführung als auch die vielen Besucher einen Strich durch die Rechnung. Viele der Wege waren als Einbahnstraßen gekennzeichnet, und wenn man dann von vielen langsamen Touristen, die an jeder Ecke stehenbleiben, um Fotos zu machen (oder aber einfach aufgrund ihres Alters oder Gewichts eine Pause brauchten), umgeben ist, hat sich das mit dem Wandern schnell erledigt. Egal, wir haben versucht, den Tag trotzdem zu genießen, wobei ich zugeben muss, dass speziell mir die vielen Menschen Stress bereiteten und durch die vielen tosenden Wasserfälle auch immer eine gewisse Geräuschkulisse gegeben war, welche mich zusätzlich belastete. Schön anzusehen war die Natur aber allemal und ein Erlebnis war es auch! Unser Fazit ist, dass, wenn man eh schon in der Gegend ist, man definitiv beide Seiten der Wasserfälle besichtigt haben muss, uns die brasilianische aber fast noch besser gefallen hat, da es nicht so voll, der Eintrittspreis günstiger und die Einrichtungen wie Restaurants und sanitären Anlagen besser waren.
Um den typischen Touri-Tag perfekt zu machen, waren wir abends noch am Marco das três Fronteiras, einem Obelisken auf einem Platz, von dem aus das Dreiländereck (Brasilien - Argentinien - Paraguay) zu sehen ist. Im Prinzip gibt es hier nur ein Schild, welches in Richtung ebendieser Länder zeigt, sowie eine Showeinlage von Artisten, die die Historie von Foz do Iguaçu darstellen sollte (leider nur auf Portugiesisch, so dass wir natürlich nichts verstanden haben). Der Platz an sich war aber schön gestaltet, es gab Essensbuden und Getränkestände sowie stimmungsvolle Musik, der Sonnenuntergang machte den Abend dann perfekt.
Am Samstag dann sind wir von Foz do Iguaçu nach Florianópolis geflogen, genauer gesagt sind wir auf der Halbinsel Santa Catarina im Ortsteil Campeche. Unser erster Eindruck ist sehr gut, es ist nicht allzu viel los, da Nebensaison, unsere Unterkunft ist sehr schön und die Strände ellenlang und sauber. Seit heute haben wir einen Mietwagen und planen, die Insel zu erkunden und viel zu wandern. Wir werden berichten, bleibt gesund!
(veröffentlicht am 22.08.2022)
Das Auto fahren...
... funktioniert hier auf Santa Catarina ganz gut. Im Gegensatz zu zum Beispiel Foz do Iguaçu, wo wir niemals hätten selbst fahren wollen, geht man es hier etwas gemächlicher und auch deutlich rücksichtsvoller an. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass man seine Augen überall haben muss. Im Rückspiegel lassen sich so herannahende Motorräder und Mopeds erkennen, die auch gern mal trotz Gegenverkehr überholen und sich in jede noch so kleine Lücke quetschen, nach links und rechts muss man auch immer schauen, denn Radfahrer kommen einem gern mal beidseitig entgegen und nach vorn gilt es sowieso immer zu gucken, denn die Straßen hier sind übersät mit Schwellen zur Verkehrsberuhigung. Wenn man Glück hat, sind diese farbig durch gelbe Streifen markiert, wenn man Pech hat, sind sie vom Asphalt der Straße kaum zu unterscheiden. Auch auf Landstraßen, auf denen bis zu 80 km/h erlaubt sind, kann so eine Schwelle mal vorkommen, man muss also immer gehörig aufpassen. Unser Hyundai HB20, nein, ich habe mich nicht verschrieben und eigentlich den i20 gemeint, der HB20 ist ein hiesiges Modell, fährt sich prima und ist auf den teils engen und manchmal auch serpentinenreichen Straßen kompakt und wendig unterwegs.
In den letzten beiden Tagen sind wir quasi schon einmal ganz um die Insel gefahren, um einen Überblick zu bekommen, bei einer Länge von gut 50 und einer Breite von 18 Kilometern ist das auch problemlos möglich. Dabei haben wir schon so einige schöne Strände gesehen und auch sehr süße Örtchen wie Ribeirão da Ilha entdeckt, im Bild oben in der Mitte und links unten zu sehen. Wir haben uns schon überlegt, welche Strände und auch Wanderwege wir in den kommenden Tagen genauer erkunden wollen, darüber halten wir Euch dann auf jeden Fall auf dem Laufenden.
Übrigens, das Gute an der Nebensaison ist, dass die Preise für Unterkünfte und Mietwagen recht niedrig sind und dass man die endlosen Strände komplett für sich hat. Nicht optimal ist dagegen das Wetter, man darf nicht vergessen, wir sind hier im brasilianischen Winter unterwegs. Bedeutet, dass es die letzten beiden Tage eher bedeckt und regnerisch war und es nachts auch durchaus auf drei Grad mit den Temperaturen runter geht. Kein Problem, denkt Ihr? Na ja, wenn man, wie hier üblich, keine Heizung und nur ein dünnes Laken als Bettdecke hat, dann friert man nachts durchaus. Abhilfe schaffen da mehrere Lagen an Klamotten und, wenn man Glück hat, eine heiße Dusche abends. Es ist in Brasilien normal, kein warmes Wasser in Häusern zu haben, einzig die Dusche wird über einen Durchlauferhitzer geregelt. Dieser befindet sich aber nicht irgendwo an der Wand, sondern ist direkt im Duschkopf integriert. Wir sind uns nicht so sicher, ob so etwas in Deutschland erlaubt würde, wir haben schon so manch eine Dusche gesehen, bei der Stromkabel und Wasser doch ziemlich nah beieinander lagen. Meine persönliche Herausforderung mit den Duschen hier ist jedoch nicht mal die Temperatur, sondern vielmehr der fehlende Wasserdruck. In fast allen Unterkünften war dieser bislang nämlich unterirdisch, was in der Praxis bedeutet, dass man sich weder ordentlich die Beine rasieren (das Wasser erreicht leider in nicht ausreichender Weise den unteren Körperteil) noch das Shampoo aus den langen Haaren spülen kann. Na ja, eigentlich wird ein Schuh draus, kurze Klamotten kann man aufgrund der niedrigen Temperaturen eh nicht anziehen (und mehr Haare am Körper wärmen bestimmt auch) und da wir hier in einem Surfer-Hotspot sind und die Leute eh nicht so schick herumlaufen, fallen die leicht fettigen Haare aufgrund der Shampoo-Rückstände auch gar nicht auf. ;-)
Das Wetter soll jetzt aber von Tag zu Tag besser werden und wir hoffen, die Insel noch einmal bei richtigem Sonnenschein erkunden zu können. Man muss ja zugeben, dass dann die Farben der Natur doch irgendwie mehr zur Geltung kommen und wir Euch hoffentlich mit tollen Fotos versorgen können. Bis dahin, macht es gut und bleibt gesund!
(veröffentlicht am 23.08.2022)